Reportage
Pressbohrung Kantonsspital St.Gallen 10|2022

Präzisionsarbeit unter der Erde

Nach erfolgreicher Pressbohrung durch schwierige Geologie wartet auf dem Gelände des St.Galler Kantonsspitals die nächste Aufgabe für das Marty-Team: der millimetergenaue Einzug der Abwasserrohre mit Hilfe von Gleitkufen und Seilwinden. E-Muffen-Schweissen in einer engen, feuchten und 11 Meter tiefen Baugrube inklusive.

So beeindruckend die Rahmenbedingungen auf der Baustelle auch sind, so unscheinbar und versteckt liegt diese auf dem weitläufigen Spitalsgelände. Ein kleiner, von metallischen Bauzäunen gesicherter Platz vor hohen Häuserfassaden, irgendwo zwischen Notaufnahme und Geburtenstation.

Eine passende Umgebung für einen Bauabschnitt, der sich ohne Weiteres auch zu einer schweren Geburt entwickeln hätte können. Dass alles bisher glatt gelaufen ist, ist nicht zuletzt Herbert Wenger von der europaweit tätigen Firma Implenia zu verdanken, die für sämtliche Tiefbauarbeiten bei der umfassenden Spitalserweiterung verantwortlich zeichnet. «Aufgrund der in dieser Tiefe besonders heiklen Geologie – stark wassergesättigte, dichte Seeablagerungen – sowie den bereits bestehenden, kreuz und quer laufenden Leitungen und Rohren war mir schon bei der Planung klar, dass man mit konventionellen Bohrungen viel Risiko eingehen würde. Ich habe mich daher persönlich dafür eingesetzt, diese mit einer gesteuerten und überwachten Pressbohrung durchführen zu lassen», erinnert sich der 65-jährige, erfahrene Projektleiter. «Von den angefragten Baufirmen war letztlich nur die Marty Gruppe imstande, eine solche anzubieten und auch durchzuführen.»

Herbert Wengers Entscheid stellte sich als goldrichtig heraus. Bei einer solch schlammähnlichen Geologie besteht nämlich die Gefahr, dass man während der Bohrung durch das Eigengewicht nach unten oder auch seitlich abweicht. Durch die gesteuerte und laufend durch Messdaten überwachte Pressbohrung konnte man so jederzeit die Richtung korrigieren und letztlich nach fast 30 Meter Länge zentimetergenau am vorgesehenen Endpunkt landen. «Das Resultat spricht für sich – alles hat perfekt gepasst!», freut sich der Implenia-Projektleiter, der schon auf rund 35 Jahre Erfahrung in verschiedenen Grossprojekten im Hoch- und Tiefbau sowie im Infrastrukturbereich zurückblicken kann.

Nach der herausfordernden Pressbohrung steht heute der Einzug der PE-Rohre auf dem Programm. Bohrmeister Hanspeter Eggenberger stützt sich auf eine Spundwand und blickt in die tiefe Baugrube. «In den bereits verlegten Stahlrohren müssen die im Durchmesser 400 und 500mm starken PE-Abwasserrohre exakt liegen, damit sie das nötige leichte Gefälle haben.» Ein Funkspruch aus der Baugrube unterbricht jäh seine Ausführungen: Das nächste 3 Meter lange Rohr wird verlangt. Der 42-jährige Marty-Mitarbeiter befestigt das schwarze Bauteil an der Seilwinde seines Baggers, besteigt die Fahrerkabine und senkt das Rohr vorsichtig in die Tiefe. «Die Seilwinde, die wir statt dem Löffel montiert haben, ist eine Eigenkonstruktion von uns, die es in dieser Form eigentlich nicht für Bagger gibt. Ist aber extrem praktisch», grinst Hanspeter, während er auf einem Display konzentriert verfolgt, wo sich das Rohr in der Baugrube gerade befindet – möglich durch eine auf einer Spundwand befestigten Kamera, welche die dafür nötigen Livebilder liefert. Unten angekommen wird das Rohr ausgeklinkt und die Arbeit des Schweissertrupps beginnt.

«Von den angefragten Baufirmen war letztlich nur Marty imstande, eine gesteuerte und überwachte Pressbohrung anzubieten und auch durchzuführen.»

Herbert Wenger, Projektleiter, Implenia AG

Elias Reist und Daniel Lenherr sind ein eingespieltes Team. Hier in dieser feuchten, engen Grube muss ohnehin jeder Handgriff sitzen. Daniel übernimmt die Vorarbeiten für das E-Muffen-Schweissen: Er entfernt die oberste Schicht am Ende des Leitungsrohres und säubert danach jene Stelle sorgfältig, an der die E-Muffe angebracht wird. «In der Muffe sind Drähte verbaut, die sich bei Stromzufuhr erhitzen. Dadurch verklebt sich der Kunststoff der Muffe mit den beiden Rohrenden bombenfest», erklärt Elias die genaue Funktionsweise. Bevor der verlängerte Rohrstrang weiter eingezogen wird, montieren die beiden Marty-Bauarbeiter zusätzlich noch ringförmig Gleitkufen darauf. Diese dienen nicht nur als Abstandhalter zum äusseren Stahlrohr, damit lässt sich das PE-Rohr auch leichter bewegen.

Ein weiteres Rohrstück ist mittlerweile fertig angeschweisst, es wird Zeit, die Baugrube zu verlassen und die Seilwinde zu starten. Auf einer schmalen, glitschigen Metallleiter geht es Meter für Meter nach oben. Vorbei an kleinen, brummenden Wasserpumpen, nassen Aussteifungen und massiven Spundwänden. Die Kletterpartie ruft nochmals eindrücklich die schwierige Geologie in Erinnerung. «Die Spundwände hier mussten sowohl aussen als auch innen mit Zementinjektionen und sonstigen Dichtungen versehen werden. Das war mehr Aufwand als gedacht, aber ohne diese Vorkehrungen hätten wir mit der Pressbohrung erst gar nicht anfangen können», erzählt Hanspeter, als er sich mit Elias auf den Weg Richtung eines Rohbaus macht, von dem künftig das Abwasser in die Rohre fliessen wird.

Dort im zweiten Untergeschoss, wo sich später auch Heizungsanlage und Technikräume des neuen Gebäudekomplexes befinden werden, ragen zwei Stahlrohr-Enden wie offene Münder aus einer massiven Schlitzwand. Aus den beiden Öffnungen läuft jeweils nur ein dünnes Stahlseil, das zu kleinen, am Boden verankerten Seilwinden führt. «Die haben vielleicht je maximal 400kg Zugkraft. Mehr braucht es aber auch nicht, um die PE-Rohre Richtung Gebäude zu ziehen», erklärt Hanspeter, ehe Elias die grössere Seilwinde startet. Gemeinsam vermessen beide noch kurz einzelne Rohrabstände, ehe sie wieder zur 30 Meter entfernten Baugrube zurückkehren.

Schon in wenigen Tagen werden die Leitungen fertig eingezogen sein und danach noch die Zwischenräume zwischen Stahl- und PE-Rohr mit Füllmaterial versehen. Damit wird der Einsatz des Marty-Teams hier in St.Gallen zu Ende gehen und ein weiteres Projekt im Bereich Leitungsbau erfolgreich abgeschlossen sein. Oder um es etwas ausführlicher in den anerkennenden Worten von Implenia-Urgestein Herbert Wenger zu sagen: «Marty habe ich in der Zusammenarbeit stets als lösungsorientiertes Team mit viel technischem Sachverstand erlebt, mit dem man auf Augenhöhe kommunizieren kann.» Gerne jederzeit wieder.

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