Reportage
Bewässerung Furttal ZH 06|2022

Wasser marsch!

Was nach intensiver Planungsphase im Frühjahr 2021 mit dem Spatenstich am Hüttikerberg begann, findet im Sommer 2022 im Furttal seine Vollendung: die gesicherte Wasserversorgung der dortigen landwirtschaftlichen Anbauflächen. Gemüsebauer Urs Amacher hat uns an einem heissen Julimorgen auf seine Felder mitgenommen.

Sommerzeit. Im Minutentakt düsen die Charterflieger des nahen Zürcher Flughafens über das Furttal hinweg, um sonnenhungrige Urlauber ans Meer zu bringen. Hier am Boden bedeutet das schöne Wetter und die hohen Temperaturen etwas anderes: viel Arbeit und statt Menschen jede Menge Gemüse, das jetzt dringend Wasser braucht.

Urs Amacher steigt mit blauem Overall und schwerem Schuhwerk in einen orangen Ford Ranger und fährt über staubige Schotterstrassen von seinem Geigelmooshof in Dänikon auf die tiefer gelegenen Felder. Er und seine Frau Melanie führen den Hof bereits in der dritten Generation. Bis vor wenigen Jahren gab es hier noch Milchkühe, heute wird auf der 45 Hektar grossen Landwirtschaftsfläche nur noch Gemüse angebaut und geerntet: von verschiedenen Kohlsorten über Salate und Kartoffeln bis zu Sellerie oder Zwiebel. Urs Amacher ist einer jener Bauern der Bewässerungsgenossenschaft Furttal (BGF), die hinter dem Bauprojekt stehen, das die langfristige Wasserversorgung ihrer Felder erst möglich gemacht hat.

Schon von weitem glänzt einem der sanfte, weisse Sprühregen im Morgenlicht entgegen. Der 48-jährige Landwirt stellt seinen Geländewagen neben einem Feldweg ab und geht schnurstracks auf die Felder. Ein 45 Meter breiter Balken verteilt dort gleichmässig Wasser über die Fläche, indem er langsam von einer Beregnungsmaschine mit dem vielsagenden Namen „Rainstar T51“ über die Kohlkopf-Reihen gezogen wird. «An manchen Tagen brauchen wir gut 300 m³ Wasser auf den Anbauflächen. Übers Jahr gerechnet sind es mindestens 20000 m³», erklärt Urs Amacher. Beachtliche Mengen, die für die örtlichen Gemüsebauern weder von den Gemeinden noch durch den schmalen, von Birken umsäumten Furtbach langfristig gewährleistet waren und die letztlich den Startschuss für ein in der Region wohl einzigartiges Projekt gaben: einen fast 13 km langen Leitungsbau, der Wasser direkt von der Limmat weg über ein Pumpwerk in einen Hochspeicher leitet und von dort dann auf insgesamt rund 50 Hydranten, die in unmittelbarer Nähe der einzelnen Felder installiert worden sind. «Uns war von Anfang an bewusst, dass es für ein solch umfassendes Projekt kein Handbuch gibt, in dem man einfach einmal schnell nachlesen kann, was man wie und wann genau zu tun hat. Daher war es besonders spannend, ob auch alles so funktioniert, wie es geplant war», erinnert sich der schlanke Gemüsebauer mit einem Lächeln. «Wie alles bis jetzt geklappt hat, ist daher umso erfreulicher. Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden und überzeugt, mit MARTY auf den richtigen Totalunternehmer gesetzt zu haben.»

Aufgrund der direkt bei den Feldern installierten Hydranten müssen wir jetzt viel weniger Schläuche verlegen.

Urs Amacher, Bewässerungsgenossenschaft Furttal

Nachdem Urs Amacher den Wasserbalken kontrolliert und einige Spritzdüsen neu justiert hat, schreitet er langsam über das Feld. Immer wieder bückt er sich, um auf den Pflanzenblättern nach möglichen Spuren von Pilzbefall oder Raupen zu suchen. Mit einem kurzen Fingerdruck auf einzelne Kohlköpfe prüft er nebenbei, ob diese schon erntereif sind. Einfache, wichtige Handgriffe, die von viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung zeugen. Andere Handgriffe sind für ihn dank dem neuen Bewässerungssystem mittlerweile hinfällig: «Aufgrund der direkt bei den Feldern installierten Hydranten müssen wir jetzt viel weniger Schläuche verlegen. Und durch den starken Wasserdruck brauchen wir während der Bewässerung auch keine Pumpe mehr vor Ort.»

Der «Rainstar T51» zieht unterdessen den Wasserbalken weiter gleichmässig ruhig über das im Sonnenlicht glitzernde Feld. Zeit für eine kurze Kaffeepause auf dem nahen Hof. Auf der Veranda sitzend mit Blick auf einen kleinen, gepflegten Garten und einen den Horizont begrenzenden Waldrand, gibt der Dänikoner Landwirt kurz Einblick in seinen persönlichen Werdegang: «Für mich war von klein auf klar, dass ich Bauer werden möchte. Den Betrieb habe ich 2005 übernommen und bin nach und nach in den Gemüseanbau reingewachsen. Heute konzentrieren wir uns nur noch darauf.» Der Erfolg gibt ihm recht. Das Gemüse aus eigener Produktion verkauft der Landwirt hauptsächlich en gros an Grossabnehmer. Daneben ist er auch noch als Händler für verschiedene Früchte und Obst tätig. «Die Nachfrage in beiden Sparten ist gut», ist Urs Amacher zufrieden.

Der Kaffee ist ausgetrunken, die Anbauflächen im Tal rufen wieder. Der nächste, rund 300 Meter lange Feldstreifen wartet auf die Bewässerung. Urs Amacher steht vor einem silbrig glänzenden Hydranten und dreht mit kräftigen Bewegungen die Wasserzufuhr ab, ehe er das Ventil samt schwarzem Schlauch löst. Ein letzter, kräftiger Strahl ergiesst sich über die trockene Erde. «Anfang Juni haben wir mit zwei solcher Hydranten den Probelauf gestartet. Mittlerweile hat jeder Betrieb der Genossenschaft zumindest einen eigenen Hydranten. Am Reservierungssystem und an ein paar anderen Feinheiten müssen wir aktuell noch arbeiten. Das ist aber völlig normal bei einem Projekt dieser Grössenordnung», erzählt der Gemüsebauer. «Und es gibt sogar schon einige externe Interessenten, die bei uns einsteigen und Wasser beziehen wollen. Die müssen sich aber natürlich hinten anstellen, bis klar ist, welchen Wasserbedarf unsere einzelnen Betriebe tatsächlich über das ganze Jahr haben.»

Der Landwirt hat wieder auf dem Traktor Platz genommen und fährt den Wasserbalken mit eingeklappten Seitenarmen an das andere Ende des Feldes, um diesen dort erneut einzurichten. Wieder beginnt der computergesteuerte «Rainstar T51» danach seine feuchte Arbeit: Rund 7,5 Stunden lang wird es brauchen, bis der Balken über die ganze Feldlänge gezogen worden ist und diese ausreichend bewässert hat. Für Urs Amacher gibt es in dieser Zeit auf den Feldern nichts zu tun.

«Etwas möchte ich aber noch zeigen», teilt der Landwirt mit leuchtenden Augen aus der geöffneten Fahrerkabine mit, ehe er Richtung Hof tuckert. Dort, in einer grossen Lagerhalle, sind gerade ein paar Erntehelfer an einer Maschine damit beschäftigt, Kohlköpfe zu säubern und in Erntekisten zu füllen. Mitten in der Halle hat sich Urs Amacher ein kleines Büro mit Schreibtisch, Computer und Drucker eingerichtet. Mit nur wenigen Tastenkombinationen erscheinen am Schirm verschiedene Grafiken. «Hier kann ich in Echtzeit ablesen, wieviel Wasser gerade wo fliesst oder sich befindet. Auch, wann sich etwa die Pumpe an der Limmat einschaltet, um das Reservoir im Hochspeicher zu füllen.» Als während seiner Ausführungen in der Computeranimation tatsächlich plötzlich Pegel und Prozente zu steigen beginnen, huscht ein sichtlich zufriedenes, fast stolzes Lächeln über das braungebrannte Gesicht des Furttaler Gemüsebauern.

Zum Projekt

Bewässerung Furttal ZH

Auftraggeber: Bewässerungsgenossenschaft Furttal BGF (rund 25 Gemüsebauer)
Totalunternehmer (TU): MARTY Gruppe
Ort: Kanton Zürich (sowie kleines Gebiet im angrenzenden Kanton Aargau)
Ziel: langfristige Sicherung der Bewässerung in einem landwirtschaftlich wichtigen Anbaugebiet

  • 12,7 Kilometer Leitungsbau durch 8 Gemeinden – quer durch Wald- und Wohngebiete
  • Errichtung eines Hochspeichers (500 m3 Fassungsvermögen) am Hüttikerberg sowie einer Wasserfassung und eines Pumpwerks (Leistung 109 l/s) an der Limmat
  • Montage von rund 50 neuen Hydranten
  • neben klassischen Pflüg- und Fräsarbeiten auch 24 horizontale, bis zu 300 Meter lange Spülbohrungen vorgesehen
  • geplante Fertigstellung: Frühjahr 2022

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